Goethe-Institut Tokyo
Fr, 27/05/2022, 12:00 Uhr
Elektronische Musik / Performance / Longplay (Austellungen, Installationen, überlange Konzertformate)

unrest 62/22


Grenzfrequenz (Telemusik / Music for Pump Organ)

GRENZFREQUENZ
und 28. Mai 2022
Tokyo | Berlin
Das Goethe-Institut Tokyo wird 60. Das Jubiläumsprogramm unrest 62/22 nimmt die Anfangsjahre des deutsch-japanischen Kulturaustausches in den Blick und lädt Künstler*innen ein, die Szene der 1960er Jahre aus zeitgenössischer Perspektive neu zu interpretieren.
In den ersten Jahren der Arbeit des Goethe-Instituts Tokyo war Karlheinz Stockhausen, Komponist und Leiter des legendären Studios für elektronische Musik des WDR (Köln), zu Gast in Japan und komponierte im Studio des NHK u.a. TELEMUSIK, eine später weltberühmte Referenz elektroakustischer Musik. Yasunao Tone war 1962 Gründungsmitglied des japanischen Ablegers der Fluxus-Bewegung und verfolgt bis heute einen interdisziplinären Ansatz zwischen Klang, Musik, Performance und Installation. Er war in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur der international vernetzen Tokioter Performance-Szene, wo er unter anderem mit Nam June Paik, Yoko Ono und George Maciunas zusammenarbeitete. In den 1970er Jahren siedelte er nach New York über und entwickelte dort unter anderem mit John Cage Kompositionen für die Merce Cunningham Dance Company.
Im Rahmen des Musikprogramms GRENZFREQUENZ werden Schwingungen ausgelotet, die diese unterschiedlichen Szenen gegenseitig aufeinander ausüben. Als Kuratoren haben wir Makoto Oshiro und die Gebrüder Teichmann eingeladen, die nicht nur selber neu komponieren und performen, sondern ihrerseits Musikerinnen zur Teilnahme an parallel und vernetzten Konzerten in Tokyo und Berlin eingeladen haben. Da es nicht möglich ist, gemeinsam an einem Ort Musik und sozialen Austausch zu erleben, werden die beiden Orte durch zwei akustische quadrophonische Projektions-Räume verbunden, die bidirektional bespielt werden. So geben die Ideen aus den 60er Jahren auch Impulse für eine experimentelle und kreative Begegnung in der Folge der Pandemie bedingten Einschränkungen.
Am ersten Tag (Freitag, 27.5.) stehen die historischen Werke mit der akusmatischen Aufführung von TELEMUSIK von Stockhausen, der Performance MUSIC FOR FOOTPEDAL ORGAN von Yasuano Tone und begleitenden Lectures im Zentrum. 
In Telemusik nutzt Stockhausen Aufnahmen aus Japan und von traditionellen Musiken verschiedener Länder als gegenseitige Modulationsquellen, um eine elektronische Weltmusik zu erschaffen. 
Am Folgetag (28.5.) wird diese Idee beim gemeinsamen TELE MUSICKING Experiment aufgegriffen: Der parallele akustische Erfahrungsraum wird von experimentellen und elektronischen MusikerInnen zwischen Tokyo und Berlin bespielt. Konzerte und deren quadrophonischen Aufnahmen werden hin- und hergeschickt und im jeweils anderen Ort raumakustisch wiedergegeben. Im Finale wird das Klangmaterial beider Orte bei weiteren Live-Performances als gegenseitige Modulationsquellen genutzt und zu einer neuen gemeinsamen Musik verschmelzen. 
Eingeläutet wird das Programm mit einer Video-Lecture von Hainbach über die Technik und Techniken früher Elektronik. Live in Berlin am 13.05. im Auditorium der Superbooth Electronic Music Fair und danach online verfügbar über die Kanäle des GI Tokyo. Ab dem 25.5. zeigen wir zudem Archivmaterial zu den elektronischen Studios des WDR (Köln) und des NHK (Tokyo) sowie den Film „sisters with transistors“ (ARTE, 2019 (?), Originalversion o.U.) im Foyer des Goethe-Institut Tokyo.
Kuration: Makoto Oshiro, Andi + Hannes Teichmann
Konzept: Gebrüder Teichmann

  • Karlheinz Stockhausen: »Telemusik« (1966)

Juan Verdaguer, Projektion

In Telemusik verwendet Stockhausen Aufnahmen aus Japan und traditionelle Musik aus verschiedenen Ländern als gegenseitige Modulationsquellen, um eine elektronische Weltmusik zu schaffen.

  • Yasunao Tone: »Music for Pump Organ (streamed from Tokyo)« (1962)

Manami Kakudo, Performer

Das Werk von Tone entstand zu einer Zeit, als er sich für "Anti-Musik" einsetzte und eine andere Richtung als Stockhausen verfolgte. Das performative Stück wird in Tokyo live aufgeführt, in Berlin per Video gestreamt.

https://www.goethe.de/ins/jp/de/sta/tok/ver.cfm?event_id=22922019

  • Dauer: 03:00h
  • Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin
  • Saargemünder Str. 2, Berlin
  • Barrierefreiheit: motorische Einschränkungen / kognitive Einschränkungen